So
22
Feb
2009
Musik-Feinkost im Café Solvey
In den letzten zwei Wochen habe ich zwei schöne Entdeckungen gemacht: meinen ältesten Sohn als Musiker auf der Bühne zu sehen und Andrew Bird durch Zufall bei Dussmann zu finden.
Mein nun fast achzehnjähriger Sohn hatte sein erstes öffentliches Konzert in so einem dunklen aber gemütlichen Schuppen in Mitte. Den ganzen Tag hatte ich in meinem hellen und auch doch sehr gemütlichen "Schuppen" gearbeitet um danach in Begleitung meiner fast siebzigjährigen Mutter besagte Örtlichkeit aufzusuchen. In einer Schlange mit ca. fünfzig Minderjährigen als alte Schabracke zu stehen ist ein ulkiges Gefühl!
Schade, dachte ich so, dass man die Zeit nicht zurück drehen kann. Als ich siebzehn war, hatte ich grad die ostberliner Punk-Szene für mich entdeckt und die langen Haare gegen eine kurze (mit blauer Tinte gefärbte)Punk-Frisur eingetauscht. Ich sah toll aus!!!
Ich war natürlich gegen Alles und auch, wie die Mädchen in der Warteschlange für's Konzert, viel zu dünn angezogen.
Benjamins Freundin und die fast vollständige Besatzung helfender Elfen aus meinem Cafe kamen klappernd vor Kälte, aber in froher Erwartung des bevorstehenden Konzerts auf mich und Benni's Oma zu. Die Einlasser in diesen Etablissements haben sich in den letzten zwanzig Jahren nicht verändert. Man wird immer noch warten gelassen und angeraunzt, sollte die Schwelle der Tür
vor der offiziellen Öffnung übertreten werden.
Endlich drinnen war ich sofort um mindestens fünfundzwanzig Jahre verjüngt! Alles dunkel, das ziemlich dicke Mädchen mit den Tatoos und dem Iro schenkte billigen Wein in Plastikbechern randvoll aus, die Einlasser saßen cool und Kaugummikauend auf den speckigen Einlasser-Stühlen, die Jungs begrüßten sich mit kraftvollem Handschlag, die Mädchen mit Küsschen und die Stimmung knisterte angenehm.
Während des Konzerts lotste ich die Oma (die schon etwas schwerhörig ist) nach vorne vor die Lautsprecherboxen in die erste Reihe.
Meine Mutter hat vor Jahren mal irgendwo so eine "Freier Tanz"-Gruppe besucht und becirct uns regelmäßig zu allen erdenklichen Gelegenheiten mit Darbietungen des "Freien Tanzes". Die wogende, hüpfende Masse konnte sie auch diesmal nicht davon abhalten Das zu tun was sie eben dann immer so tanzt. Hilfsbereit postierten sich Jungs aus offensichtlich gutem Elternhaus um sie herum und fingen dadurch das Gröbste ab. Nur eimal ging sie fast zu Boden. Hinter uns standen Vincent (mein Kellermeister) und diverse Freunde und Freundinnen meines Sohnes und ich wusste bis dato nicht, dass jemand wie mein verträumter Kellermeister richtig aus sich heraus kommen kann!
Benjamin und seine Band legten ein großartiges Konzert hin und waren die eigentlichen Helden aller Bands an diesem Abend!
Das Publikum sang die Songs, die Benni geschrieben hat mit und auch die Feuerzeuge fehlten nicht. Oma war so stolz, als er auch noch auf der Mundharmonika spielte, die sie ihm vor vielen Jahren geschenkt hatte, als sie mit ihm "Freies Musizieren" mit "Freiem Tanz" veranstaltete.
Ich bin auch super stolz auf meinen großen Sohn! Er macht Das toll und vielleicht wird er ja auch mal Musiker!?
Ich versuchte Fotos mit meinem Handy zu machen, aber auf Grund der Dunkelheit und der tanzenden Oma habe ich nur unscharfe Bilder.
Ich war zwei Tage etwas taub mit Klingelton im Ohr, meine Mutter hat Alles unbeschadet überstanden!
Die Band meines Sohnes hat eine MySpace-Seite. Sie nennen sich: "the wake woods" und werden garantiert demnächst öfter zu hören sein (ein Song in einem Film ist schon sicher).
Nun zu Andrew Bird!!!!!
Welch angenehmer Vogel! Entdeckt hab ich ihn wieder höchst mysteriös: bei Dussmann suchte ich einen freien Platz um den Barcode-zum-runterhalten, runter zu halten und eine neue Bossa Nova Cd für's Cafe zu hören. Zum Glück wartete ich an der richtigen Säule. Da stand ein sympatischer Mann und übergab mir schließlich freundlich seine Kopfhörer. Wie immer höre ich aus lauter Neugier in die Musik meines Vornutzers und da zwitscherte mir eine angenehme Musik entgegen, die mich sofort veranlasste quer durch den Laden den netten Mann zurück zu rufen. Er nannte mir den Namen ,zeigte das Cover und wir plauderten einen kurzen Moment über gute Musik. Er hat jetzt meine Karte und die Einladung auf ein Stück Kuchen, ich habe jetzt meine derzeitige Lieblings-CD: Andrew Bird mit "noble beast".
Wunderbare Musik und zur Zeit ständig im Cafe Solvey zu hören. Den hätte ich nun eigentlich doch viel lieber im Cafe als Brad Pitt!!!
Passt auf Euch auf und Gute Nacht!

