Presse

Mi

14

Jan

2009

Hörsturz mit Aura-Symtom

Gestern war es mal wieder soweit. Ich hatte den Tunnelblick zurück und in der linken Stirn machte sich dieses kleine Pochen bemerkbar. Hervorgelockt durch einen kleinen süßen Bengel, der voller Inbrunst in seine mitgebrachte Blockflöte posaunte, nachdem er mit seinen drei vierjährigen Kumpels ausprobierte, von welcher Treppenstufe man am lautesten in das Cafe springen kann.

Die Eltern des niedlichen Kerlchens saßen weit weg in Sicherheit und konnten deshalb an den Darbietungen ihres Nachwuchses nicht teilhaben. Schade eigentlich!

Sie verpassten auch die lustige Spielzeug-kaputt-schmeissen-Aktion und den selbstbewussten Griff des kleinen Engelchens in die Schokobonstüte hinter dem Tresen. Als dann alle weg waren, herrschte eine fast schon beklemmende Ruhe im Cafe. Nun ergibt sich ein kleines Problem: unser intaktes Spielzeug geht zur Neige, meine Angestellten sind nach solchen Erlebnissen frustriert und haben am Abend keine Lust mehr auch noch das obere Zimmer zu entwüsten und ich oute mich offiziell hiermit als altmodische Spießerin!

 

Ich gebe zu, dass ich ein Problem mit anti-autoritärer Verziehung hab, dass ich es nicht niedlich finde, wenn auf das Eigentum Anderer (in diesem Falle meines) keine Rücksicht genommen wird. Den Eltern dieser Kinder muß ich leider erklären, daß ich keine Kindertagesstätte bin sondern ein Cafe. Offensichtlich haben sie es falsch verstanden mit dem Spielzimmer. Also: Das Cafe Solvey ist ein C-A-F-E mit der optionalen Möglichkeit, den oberen Raum mit Kindern (ohne Blockflöte) zu nutzen. Wegen der rechtlichen Lage müssen die Eltern aber dabei sein und ihren Nachwuchs beaufsichtigen. Ich komme sonst in Teufels Küche, sollte einem Kind dort etwas passieren und ich kann auch aus rein finanziellen Gründen keine Nanny (oder Supernanny) einstellen. Außerdem freut sich doch wirklich jedes Kind nach dem Kindergarten auf seine Eltern und es gibt schöne Kinderbücher in meinem Regal.

 

Bitte verzeiht mir meinen Ärger, aber ich finde es etwas traurig. Die Idee mit dem Spielzimmer war eigentlich ganz gut und viele Kinder mit ihren Eltern haben es auch zu schätzen gewusst. Bis zum Februar werden nun die Spielsachen wieder geräumt und es gibt dann zwei, drei Kisten mit Spielzeug am Tresen auf Anfrage.

 

Lieber Friedrich, liebe Marlene: selbstverständlich bleibt der Kaufmannsladen oben und ihr bekommt weiterhin die Kiste mit den "Lebensmitteln" und dem Spielgeld und wenn ich Zeit habe komm ich auch wieder sehr gern hoch zu euch, um bei euch "einzukaufen". Ich freu mich schon drauf! Alle Eltern und Kinder die das Cafe als Cafe mit Spielmöglichkeit nutzen wollen sind Nach wie Vor herzlich eingeladen und natürlich gibt es auch weiterhin auf Anfrage immer ein Schokobonbon!                                                                                         

 

Ich danke für Euer Verständnis!                                                                Eure Solvey

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1 Kommentar

  • #1

    Klaus Rozsa (Mittwoch, 04 Februar 2009 11:03)

    Ein echt guter Text, müsste auch publiziert werden (z.B. in der TAZ?) vielleicht geht der einen oder anderen Mutter (Väter sind mitgemeint) ein Lichtlein auf?

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